Theaterregisseurin, Theaterpädagogin und Kulturvermittlerin

Über mich

Foto: ©MEYER ORIGINALS

Karin Frommhagen, *1960 in Hannover, lebt und arbeitet in Köln als freie Theaterregisseurin, Theaterpädagogin und Kulturvermittlerin. Sie studierte Sozialwesen in Hildesheim, Theaterpädagogik in Lingen, Arts Administration an der Universität Zürich - und ist Vorstandsfrau des Kölner Kulturvereins intakt e.V..

Ihre Arbeiten basieren auf gesellschaftlich relevanten Themen, Trends, Fragestellungen und ästhetischen Ideen. Im Fokus: der Mensch in seinem kulturellen, sozialen, politischen und globalen Gefüge. Es ist eine Suche, die Sichtweisen auf Menschen und gesellschaftliche Abläufe fokussiert und sie im Schutzraum des Theaters verändern hilft. Das Einbeziehen der eigenen Autobiografie, biografische Arbeit mit den beteiligten Akteur*innen und das Dokumentarische ist Methode im künstlerischen Prozess. Daraus entsteht eine Theaterform, die das Experiment sucht.

Ihren Inszenierungskonzepten und Proben gehen umfangreiche Recherchen und Interviews voraus. Diese “Materialsammlungen“ bestimmen die ästhetisch-konzeptionelle und dramaturgische Form und führen meist zu künstlerischen Formaten zwischen Realität und Fiktion, sowie zu partizipatorischen und interaktiven Anordnungen des Publikums. Mit ihren Theateraktionen im privaten und öffentlichen urbanen Raum und ihren Inszenierungen eröffnet sie ungewöhnliche Sichtweisen auf die Welt.

Zwischen 2009 und 2017 entstanden viele Projekte rund um Fragen von Flucht und Migration im 21. Jahrhundert wie „Seegang ins Ungewisse - Eine theatrale Reise“ zu Fuß und in Booten, organisiert als Flucht um und über den Kalscheurer Weiher in Köln. Sowie der glokale Audiowalk „DORTHIN WO MILCH UND HONIG FLIESSEN – Fluchtspuren verfolgen", mit Fluchtgeschichten und realen Begegnungen, die in Düsseldorf, Köln, Essen und Hannover immer wieder neu ortsspezifisch konzipiert wurden. In dem Walk wird ein ganzer Stadtteil zur Bühne auf Zeit.

In anderen Projekten rückt die Biografie ins Zentrum ihrer Arbeit, die Stücke suchen ihre Akteur*innen in anderen Kulturen. In „Ein Feind ist jemand, dessen Lebensgeschichte man nicht gehört hat“ begleiten Schauspieler*innen in Köln und Bonn Migrant*innen im Alltag und versuchen, ihren Lebensentwürfen und Perspektiven näher zu kommen. Eine theatrale Recherche, die in eine Arbeit mündet, die in Sofia, Bulgarien entstand: „Merry-Go-Round – Eine deutsch-bulgarische Familien-Saga über Fluch und Glück in der Migration“ auf der Basis von Interviews, geführt mit Bulgar*innen, die in Deutschland und Deutschen, die in Bulgarien leben.

Mancherorts werden die Arbeiten zu immersiven Theaterräumen. In „Deutschland privat - Lebenslage illegal“ inszenierte sie die Situation von Menschen ohne Aufenthaltspapiere. Das dreißigköpfige interkulturelle Ensemble aus professionellen Schauspieler*innen, semi-professionellen Akteur*innen und Expertinnen, die in der Beratung mit Menschen ohne Aufenthaltspapiere arbeiten, agierte in einer leer stehenden Kölner Grundschule. Hier wurde ein in sich geschlossenes Gesellschaftssystem kreiert und erprobt. Das Publikum wird als mitgestaltende Kraft im Theater eingebunden, erhält eine konkrete Zuschreibung und damit eine besondere Rolle und Funktion.

Diese neuen Theaterformen entstanden in enger Zusammenarbeit mit Charlott Dahmen für intakt e.V. und Rosi Ulrich für das theater 51grad.

Performative Projekte, die in vielschichtiger Weise mit dem Geschehen vor Ort interagieren, die Stadt und ihre Bewohner*innen involvieren, sind Karin Frommhagens Fokus. Schnittstellen, an denen die Kunst sich ins Leben schiebt.

Auszeichnungen

„Dorthin wo Milch und Honig fließen – Fluchtspuren verfolgen" (UA), nominiert für den Kurt-Hackenberg-Preis für politisches Theater 2016

„Merry-Go-Round/2014-BG-DE (UA) – Eine deutsch-bulgarische Familien-Saga über Fluch und Glück in der Migration“, eine Koproduktion mit dem theater 51grad, nominiert zum Kölner Theaterpreis 2015

„Scheherazades Zukunft – Geschichten aus dem Frauenhaus"(UA), vorgeschlagen vom Bundesverband Freier Theater für den BKM-Preis Kulturelle Bildung 2014, ausgelobt von der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien

„Seegang ins Ungewisse - Eine theatrale Reise“ (UA) - nominiert für den Kölner Theaterpreis 2010 und best practice des Fonds Soziokultur